Die Zen-Meditation im Stil des „Shikantaza“ („nichts als treffend sitzen“) ist ein Ăśbungsweg, der sich unmittelbar auf unseren Alltag auswirkt und unsere Lebensqualität in dem MaĂźe verbessern kann, wie wir fähig werden, bewusst im gegenwärtigen Augenblick zu leben und zu erleben. Dies entspricht dem 7. Punkt des „Edlen achtfachen Pfades“ Buddhas, der „Rechten Achtsamkeit“.

Dem 8. Punkt des „Edlen achtfachen Pfades“, der „Rechten Sammlung“, entspricht die Ăśbung der Meditation, in der man von Begierden und unheilvollen Verstrickungen frei werden kann und Distanz zu den Dingen bekommt. Diese Distanz macht die eigentliche Zuwendung, insbesondere auch zu Menschen, erst möglich. Im Hintergrund steht die zentrale Aussage der Lehre Buddhas: Je mehr ich festhalten will, desto mehr leide ich, je mehr ich loslassen kann, desto weniger leide ich.

Bei dieser Meditation in völliger Stille geht es darum, allmählich auch innerlich zur Ruhe zu kommen. Im Zentrum steht die unmittelbare persönliche Erfahrung beim – möglichst absichtslosen – „Zazen“ (Sitzen in Versenkung) in „heiterer Gelassenheit“. 

Alles, was dabei an Gedanken oder Problemen kommt, wird zugelassen, bewusst angesehen, nicht verdrängt (aber auch nicht bewertet oder zu lösen versucht), dann aber wieder losgelassen (jetzt, während dieser gegenwärtigen Meditation im Augenblick nicht wichtig). Dies ist somit eine hervorragende Übung, zu den Dingen des Alltags, zu Problemen und Ängsten einen gewissen Abstand zu bekommen, nicht mehr verstrickt zu sein; das bedeutet nicht, dass einem die Dinge gleichgültig sein sollen. Für den Anfänger kann zwischendurch auch eine Konzentration auf den Atem hilfreich sein.

Die Stille, die Zeit, zu sich zu kommen und seine ewig plappernden Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, öffnet auch eine mystische Dimension der Erfahrung des eigenen Seins mit einer Geborgenheit und Sicherheit, die einen religiösen Charakter hat, unabhängig von Konfessionen und konkreten Glaubensvorstellungen.

Durch unsere Vorstellungen von dem Sinn unseres Lebens, von Gott, Gerechtigkeit, Tod, Seele, Wiedergeburt u. s. w. reduzieren wir das fĂĽr uns Menschen letztlich unvorstellbare Mysterium des Seins auf das uns noch eben Vorstellbare. Was hat das mit der groĂźen Wirklichkeit zu tun? Dabei verstricken wir uns leicht in diesen Vorstellungen mit unseren Ă„ngsten, Erwartungen und Erklärungsversuchen.

Glaubensvorstellungen können für viele Menschen durchaus eine Hilfe sein (solange sie auch wirklich daran glauben). Im Zen (und auch z. B. bei Meister Ekkehart) geht es darum, von all diesen Vorstellungen (im Sinne einer absoluten Beschreibung von Wirklichkeit) loszulassen, letztlich nur noch als „Finger, der auf den Mond hinweist“ (Zen) zu betrachten und nicht mehr als den Mond selbst. Dies erleichtert auch ganz wesentlich echte Toleranz im Umgang der Religionen und Konfessionen miteinander.

Die Meditation kann zu einer Übung des Loslassens werden – nicht, indem Erinnerungen, Gedanken, Ängste beiseite geschoben werden, man diese nicht wahrhaben will, sondern indem man sich diese Gedanken und Vorstellungen hellwach und bewusst ansieht, sich ihnen stellt, sie als Rahmenbedingungen unserer gegenwärtigen Existenz in ihrer ganzen Tragweite erkennt und deutlich macht. Dann aber geht es darum, sich nicht in ihnen zu verstricken sondern diese Gedanken und Vorstellungen - wie Seifenblasen - wieder loslassen zu können und jegliches Unterscheiden und Anhaften aufzugeben, um frei von allen Vorstellungen die Wirklichkeit des Augenblicks, das hier und heute zu erleben. „Durch Nicht-Tun („Wu-Wei“) wird der Himmel klar.“ (Taoistisch)