Wenn ein Mensch ein Buddha wird,
einzig indem er Zazen ausübt,
dann sollte ich,
unbedeutender Frosch, der ich bin,
schon lange einer sein. 

Sengai: 1750–1837
Zen-Meister und Maler


„Was ist der Weg?“ - „Er liegt vor deinen Augen.“
„Warum kann ich ihn dann nicht sehen?“ - „Weil du an dein Ich denkst.“
„Siehst du ihn denn?“ - „Solange du Worte gebrauchst wie “Ich“ und “Du“ und Sätze sprichst wie “Du siehst“ und “Ich sehe nicht“, kannst du ihn nicht sehen.“
„Wenn es kein Ich und kein Du mehr gibt, kann man ihn dann sehen?“ - „Wenn es kein Ich und kein Du mehr gibt, wer will ihn denn dann sehen?
(Zen-Text)

„Was ist das zentrale Anliegen des Zen? Die Neugeburt und Verwandlung des Menschen aus der Erfahrung des Seins. Zen lehrt uns den Weg zur Befreiung unseres Wesens aus den Fesseln des weltabhängigen Ichs. Zen lehrt es nicht mit den Mitteln des analytischen, schlussfolgernden Denkens, auch nicht in der Form eines dogmatischen Glaubens oder einer spekulativen Metaphysik, sondern als Weg der Erfahrung und Übung.“
Karlfried Graf Dürckheim

 „Die Schüler ... mögen glauben, dass sie ihr Ziel der Beruhigung schneller erreichen, wenn sie die Tätigkeit des Geistes vollkommen unterdrücken. Das ist ein Irrtum ... das Ziel der Beruhigung kann nicht durch die Unterdrückung jeglicher Tätigkeit des Geistes erlangt werden, sondern nur, indem man jegliches Unterscheiden und Anhaften aufgibt.“
(Zen-Text)

Der entscheidende Schritt wäre das besonders von Dôgen Zenji propagierte Shikantaza: „Sitzen nur um des Sitzens willen. Man verweilt in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet. Um kein Meditationsobjekt hat man sich mehr zu kümmern. Ohne Furcht, ohne Hoffnung, ohne Erwägen sitzt man von allem losgelöst in vollendeter Absichtslosigkeit.
Dazu folgende Geschichte:
Als Meister Ma-dsu die Erleuchtung noch nicht erlangt hatte, bemühte er sich im Kloster des Huai-jang, der Meditation hingegeben, um die Wahrheit. Tag um Tag verbrachte er, schweigend, in Meditationshaltung auf dem Boden hockend und fand doch nichts.
Eines Tages aber fragte ihn Huai-jang: „Sag, was hockst du da die ganze Zeit?“ „Ich will zum Buddha werden“, erwiderte Ma-dsu. Da nahm Huai-jang einen Ziegelstein vom Boden und begann ihn an der Wand zu zerreiben. Ma-dsu fragte erstaunt: „Was macht Ihr da?“ Huai-jang sagte: „Ich will den Ziegel so lange glattreiben, bis ein klarer Spiegel daraus wird.“
Erstaunt und etwas verwirrt fragte Ma-dsu: „Wie kann denn durch Reiben aus einem Ziegelstein ein Spiegel werden?“ Da fragte Huai-jang zurück: „Und wie kann durch Hocken aus dir ein Buddha werden?“ In diesem Augenblick erfuhr Ma-dsu die Erleuchtung.

„Man sieht immer wieder Menschen, die die Leute lehren, in gebeugter Haltung zu verharren, ihren Geist zu betrachten, die Reinheit zu betrachten, sich nicht zu bewegen, nicht zu rühren. Dadurch, dass sie derartige Anstrengungen auf sich nehmen, gelangen die verblendeten Menschen jedoch nicht zur Erleuchtung, sondern bleiben den Phänomenen verhaftet und erzeugen den Irrtum.“
„Lange Zeit in sitzender Haltung auszuharren, führt zu nichts anderem als einer Störung des Körpers ohne irgendeinen Nutzen für den Geist. Den Geist ruhig zu halten, um ihn in seiner Ruhe zu betrachten, ist keine Zendisziplin, sondern schafft eher Missbehagen.“
„Lebendig bleibt man sitzen, ohne sich auszustrecken.
Tot bleibt man ausgestreckt, ohne sich hinzusetzen.
In beiden Fällen ist es nichts anderes als ein Haufen stinkender Knochen!
Was hat das mit der großen Schule des Lebens zu tun?“
Huei-Neng, 638 - 713

„Anhaften und Festhalten-Wollen bedeutet,
die Angemessenheit zu verlieren
und auf falsche Wege abzukommen.“
Loslassen ist Natürlichkeit.“
“Jage nicht den Erscheinungen nach,
verweile aber auch nicht in der Vorstellung von Leere.“
Seng-ts’an,  V 606

 „Existieren bedeutet,
in jedem gegenwärtigen Augenblick
aus der Fülle des Seins heraus ("Leere“)
neu zu entstehen ("Form“, "Erscheinung“),
wahrzunehmen („to realize“) und zu wirken ("Karma“).
MUGARAITO - Günter Weber

„Wer die Wirklichkeit des Scheins nicht begreift,
ist auch nicht fähig,
das Wirkliche als Schein zu entlarven.“
MUGARAITO - Günter Weber

„Wenn du „Es“ verstehst, dann sind alle Dinge eins,
wenn nicht, sind sie verschieden und gesondert.
Wenn du „Es“ nicht verstehst, sind alle Dinge eins,
wenn ja, dann sind sie verschieden und gesondert.“
Wu Men  Hui K’ai  (Mumon)

“Entscheidend für unsere Lebenspraxis: “Bei-den-Dingen-sein“, ohne Vorstellungen über die Dinge, sondern schlicht und einfach mit den Dingen selbstverständlich umgehen.
Die Einheitserfahrung ist deshalb kein außergewöhnlicher Sonderzustand, sondern das ganz gewöhnliche, einfache Sein, im Umgang mit den Dingen als Phänomene, denen wir kein bestimmtes Seinsverständnis aufzwingen.”
Martin Heidegger (1889 – 1976)

“In einem klaren Spiegel können alle Formen gesehen werden, obgleich er keine Formen enthält; dies ist so, weil der Spiegel keine eigene Persönlichkeit besitzt. Der Spiegel ist von allem Anfang an leer; die Bilder, die auf seiner Oberfläche erscheinen, sind dem ewigen Wechsel unterworfene Phänomene. Die letzte Wahrheit, die sich vom Spiegelbild aussagen lässt, ist, dass es gleichzeitig (existentiell) ein Nichts wie (phänomenal) ein Etwas ist, dass es sich an der Grenzscheide von Realität und Irrealität befindet. – Ebenso ist es um die Welt und das Ich bestellt.“
Prof. Fritz Hungerleider

Der Körper gleicht dem Baum der Erleuchtung,
Das Herz ist ein klarer Spiegel.
Beständig und eifrig sollst du ihn fegen,
damit kein Stäubchen an ihm haften bleibt.
Schen-Hsiu

Im Ursprung gibt es keinen Erleuchtungsbaum,
Und nirgends steht der klare Spiegel.
In Wahrheit ist kein Ding vorhanden,
Woran sollte Staub wohl haften?“
Huei-Neng, 638 – 713

Der Weg der weißen Wolken
am grenzenlosen Horizont.
Tiefblau der Himmel,
rein und klar die Luft.
Grenzenlos auch mein Denken,
schwebe, fliege ich in’s NICHTS.
Leicht wie die weißen Wolken
vergesse ich das JETZT,
erkenne auch den Kosmos,
eins mit mir im NICHTS.
Verschmolzen in der Ganzheit,
in dem großen NICHTS,
erkenne ich den Spiegel wie er mir zerbricht.“
Gerda Späth-Weber